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Piraten, Sklaven und der Verräter. Das gestohlene Dorf in West Cork

15. April 2014 2

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Zwei Uhr Morgens. Erst in einigen Stunden wird die Sonne aufgehen und das Grün der Westküste Irlands in über vierzig Nuancen tauchen. Jetzt ist es noch stockdunkel. Auch die 230 Piraten, welche in ihren Booten lautlos der Küste entgegen Rudern, sehen die Hand kaum vor Augen. Schlimmes führen sie im Schilde, währenddem die Bewohner des kleinen Ortes Baltimore friedlich in ihren Betten schlummern.

Der Angriff unter der Führung des holländischen Anführers, Murad Reis, fand in der Nacht vom 20. Juli 1631 statt und ist heute als “The Sack of Baltimore” bekannt. Es war die schlimmste Attacke von Piraten auf irisches Festland. Das eine aus Algeriern, Holländern und Türken zusammengestellte Piratentruppe ein Dorf in Irland plündern könnte war bis zu diesem Zeitpunkt schwer vorzustellen. Die Piraten aus dem Magreb plünderten, brandschatzten und entführten bis dahin eher in Island und auf den Färöern.

The yell of ‘Allah!’ breaks above the prayer, and shriek, and roar:
O blessed God! the Algerine is lord of Baltimore!
– Thomas Davis

Die Rolle des John Hackett

Alles begann damit das einige Tage zuvor ein Fischer aus Dungarvan, John Hackett, in die Gewalt der Piraten geriet. Murad Reis der Jüngere, ein gefürchteter Anführer der barbarischen Piraten, wollte einen Einheimischen entführen um von ihm Informationen zu erhalten, wie man Kinsale angreifen könnte. Ursprünglich planten die Piraten nämlich, die 25km südlich von Cork gelegene Ortschaft anzugreifen. Hackett riet den Piraten besser Baltimore zu überfallen, da die britischen Truppen in Kinsale zu schnell eingreifen hätten können.
Der Hafen von Baltimore

The Sack of Baltimore – Der Überfall

Sie erreichen die Küste. Lautlos legen die Boote im Hafengebiet von Baltimore an. Mit Musketen, Säbel und Messer huschen schwer bewaffnete in schwarze Kleider gehüllte und mit roten Turbanen auf dem Kopf gekleidete Männer zu den direkt an der Küste gelegenen Häusern. Fackeln erhellen nun die stockdunkle Nacht und sogleich werden diese auf die Strohdächer geworfen. Türen werden aufgebrochen und Männer, Frauen und Kinder aus den Betten runter an den Strand gezerrt. Zwei Männer versuchen dort mit blossen Fäusten sich gegen die Piraten zu wehren. Sie werden vor den Augen ihrer Frauen in Stücke zerhackt. Über hundert Einwohner werden schliesslich auf die Schiffe verfrachtet. Nie wieder wird sie jemand sehen.

WEGwärts Irland und das gestohlene Dorf

Auf diese wahre Geschichte bin ich dank dem wundervollen – mit dem deutschen Hörbuchpreis ausgezeichneten – Audiobook WEGwärts – Irland gestossen. Joscha Remus, der Schriftsteller und Abenteurer, reist durch Irland und trifft in dieser abenteuerlichen Klangreise unter anderem auch auf die Irlandkenner Harry Rowohlt und Ralf Sotscheck. Ein Hörbuch welches die Sehnsucht nach Irland weckt mit spannenden Geschichten, faszinierenden Erzählungen und einem Hauch von Poesie. Ich empfehle dir den Kauf dieses Hörbuches gerne. Durch klicken auf die Links kannst du dir das Hörbuch als Audio CD oder die Downloadversion bei Amazon bestellen. Du unterstützt damit auch meinen Blog, den ich erhalte dafür eine Verkaufsprovision von Amazon. Wichtig ist für dich zu Wissen, dass der Titel für dich damit nicht teurer wird.

Hier also die beiden Links:
WEGwärts – Irland (Hörbuch-Download)
WEGwärts – Irland (Audio CD)

Ausserdem gibt es die Geschichte des gestohlenen Dorfes auch in Buchform. Der Journalist und Autor Des Ekin hat die Ereignisse im Jahr 1631 darin aufgearbeitet. Bei Amazon kannst du die Kindle-Version davon bestellen The Stolen Village: Baltimore and the Barbary Pirates oder wenn du lieber magst die Taschenbuchausgabe “The Sack of Baltimore” von Des Ekin

Die Verschwörungstheorie

Der Überfall auf Baltimore ist auch Nährboden für eine Verschwörungstheorie. Die Ortschaft und das Gebiet um Baltimore war bis zum Zeitpunkt der Attacke seit über 400 Jahren unter Kontrolle des O’Driscoll Clans. Sir Walter Coppinger versuchte schon seit einiger Zeit sich das Dorf zu sichern. Coppinger entstammte einer einflussreichen Familie aus Cork. Er schikanierte die Landbesitzer mit Rechtsansprüchen und schliesslich unterzeichneten O’Driscoll, Coppinger und Crooke (ein weiterer Landlord) 1610 einen Vertrag, welchen den Siedlern das Recht gewährte für die nächsten 21 Jahre sich in Baltimore niederzulassen. Der Pachtvertag endete 1631, also in dem Jahr des Überfalls. Die Siedler zogen nach der Attacke ins sichere Hinterland Richtung Skibereen zurück und der Weg für Coppingers Vorstellung seiner Plantation (Term für die Ansiedlung englischer, schottischer und walisischer Einwanderer in Irland) war frei.
Linksverkehr in Irland

Wie die Geschichte endete

Die verschleppten Männer und Frauen aus Baltimore ereilte ein grausames und trauriges Schicksal. Die Männer wurden als Ruderer auf den Galeeren eingesetzt, wo sie irgendwann vom Erschöpfungstod erlöst wurden. Die Frauen mussten als Konkubinen dienen oder wurden an einen Sultan für dessen Harem verkauft. Die Kinder wurden als Sklaven verkauft oder ebenfalls zur Piraterie gezwungen. Obwohl die Sklaven von Baltimore durch die britische Armee aufgespürt werden konnten, dauerte es über zehn Jahre bis Lösegeld bezahlt wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnten nur noch drei Frauen ausfindig gemacht und nach Irland zurückgebracht werden. Dies vierzehn Jahre nach dem Überfall. Der Verräter Hackett wurde 1633 an der Küste von Baltimore gehängt.

Piraten in Irland – Das Gedicht – The Sack of Baltimore

Thomas Osborne Davis (1814–45) hat folgendes Gedicht über dieses historische Ereignis geschrieben:

“The summer sun is falling soft on Carbery’s hundred isles,
The summer sun is gleaming still through Gabriel’s rough defiles;
Old Innisherkin’s crumbled fane looks like a moulting bird,
And in a calm and sleepy swell the ocean tide is heard:
The hookers lie upon the beach; the children cease their play;
The gossips leave the little inn; the households kneel to pray;
And full of love, and peace, and rest, its daily labor o’er,
Upon that cosy creek there lay the town of Baltimore.

A deeper rest, a starry trance, has come with midnight there;
No sound, except that throbbing wave, in earth, or sea, or air!
The massive capes and ruin’d towers seem conscious of the calm;
The fibrous sod and stunted trees are breathing heavy balm.
So still the night, these two long barques round Dunashad that glide
Must trust their oars, methinks not few, against the ebbing tide.
Oh, some sweet mission of true love must urge them to the shore!
They bring some lover to his bride who sighs in Baltimore.

All, all asleep within each roof along that rocky street,
And these must be the lover’s friends, with gently gliding feet—
A stifled gasp, a dreamy noise! “The roof is in a flame!”
From out their beds and to their doors rush maid and sire and dame,
And meet upon the threshold stone the gleaming sabre’s fall,
And o’er each black and bearded face the white or crimson shawl.
The yell of “Allah!” breaks above the prayer, and shriek, and roar:
O blessed God! the Algerine is lord of Baltimore!

Then flung the youth his naked hand against the shearing sword;
Then sprung the mother on the brand with which her son was gor’d;
Then sunk the grandsire on the floor, his grand-babes clutching wild;
Then fled the maiden moaning faint, and nestled with the child:
But see! yon pirate strangled lies, and crush’d with splashing heel,
While o’er him in an Irish hand there sweeps his Syrian steel:
Though virtue sink, and courage fail, and misers yield their store,
There ’s one hearth well avenged in the sack of Baltimore.

Midsummer morn in woodland nigh the birds begin to sing,
They see not now the milking maids,—deserted is the spring;
Midsummer day this gallant rides from distant Bandon’s town,
These hookers cross’d from stormy Skull, that skiff from Affadown;
They only found the smoking walls with neighbors’ blood besprent,
And on the strewed and trampled beach awhile they wildly went,
Then dash’d to sea, and pass’d Cape Clear, and saw, five leagues before,
The pirate-galley vanishing that ravaged Baltimore.

Oh, some must tug the galley’s oar, and some must tend the steed;
This boy will bear a Scheik’s chibouk, and that a Bey’s jerreed.
Oh, some are for the arsenals by beauteous Dardanelles;
And some are in the caravan to Mecca’s sandy dells.
The maid that Bandon gallant sought is chosen for the Dey:
She ’s safe—she’s dead—she stabb’d him in the midst of his Serai!
And when to die a death of fire that noble maid they bore,
She only smiled, O’Driscoll’s child; she thought of Baltimore.

’T is two long years since sunk the town beneath that bloody band,
And all around its trampled hearths a larger concourse stand,
Where high upon a gallows-tree a yelling wretch is seen:
’T is Hackett of Dungarvan—he who steer’d the Algerine!
He fell amid a sullen shout with scarce a passing prayer,
For he had slain the kith and kin of many a hundred there.
Some mutter’d of MacMurchadh, who brought the Norman o’er;
Some curs’d him with Iscariot, that day in Baltimore.”

Baltimore Hafen

Textquellen
Wikipedia – The Sack of Baltimore
Offizielle Website von Baltimore
Gedicht von Thomas Osborne Davis
WEGwärts – Irland (Audio CD)

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2 Kommentare

  • Wie immer sehr ausführlich und interessant. Danke für den Lesestoff :-)
  • Hallo Harald, danke für deinen Kommentar! Hoffe bei euch in Blessington ist alles im grünen Bereich? Liebe Grüsse, Reto

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