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Der Skandal der Anglo-Irish Bank

01. Juli 2013 0

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Mehr als 30 Miliarden Euro kostet den irischen Steuerzahler bisher der Bankrott der bis dahin grössten Bank Irlands, der Anglo Irish. Tonbänder aus dem Jahre 2008, damals begann die Krise, zeigen nun wie kaltschnäuzig die Banker die Kredite dem irischen Staat abgeluchst haben. Da steigt nicht nur den Iren die Zornesröte ins Gesicht.

Ein Sparprogramm folgt in Irland seit 2008 dem Nächsten. Seit dem Zusammenbruch der Banken taumelt das Land von Krise zu Krise. Fast die Hälfte der Kredite der europäischen Zentralbank musste verwendet werden um den Bankenriesen Anglo Irish zu retten. Die geprellten sind einmal mehr die Steuerzahler. Wie jetzt Tonbandmitschnitte aus der Geschäftszentrale der Anglo Irish zeigen, haben die verantwortlichen Manager schlicht gelogen und betrogen das sich die Balken biegen um an die Staatsgelder heranzukommen. Ende Juni 2013 haben diese Bänder die Öffentlichkeit erreicht und haben seither einen Sturm der Entrüstung entfacht. Drei ehemalige Manager von Anglo Irish stehen seither im Kreuzfeuer der Kritik. Die Mitschnitte zeigen, dass diese den irischen Staat nicht nur betrogen haben sondern auch erpresst.

Die Hauptpersonen des Trauerspiels

Folgende Hauptpersonen sind in diesem Trauerspiel auszumachen:
John Bowe: Vizechef der Buchhaltung
Peter Fitzgerald: Chef der Abteilung für Privathypotheken
David Drumm: Der CEO

F: Sag mal, wie kamst du auf 7?
B: Ganz einfach. Wie Drummer sagen würde: Ich habe sie mir aus dem Arsch gezogen.

Aus der ehemals kleinen Geschäftsbank wurde die grösste Hypothekenbank Irlands. Seit 1998 wuchsen die Hypothekardarlehen von 3 auf 73 Miliarden Euro. Das Vorzeigeunternehmen des “keltischen Tigers” wurde noch im Januar 2008 am World Economic Forum zur besten “Bank der Welt” ernannt. Im November desselben Jahres machte sie mit fast 18 Miliarden den höchsten Jahresverlust der irischen Wirtschaftsgeschichte.

Anglo-Irish geht über Nacht pleite

Die Anglo ging praktisch über Nacht pleite. Es war Mitte September 2008 als Lehmann Brothers pleite ging. Die Interbankkredite wurden eingefroren und die Immobilienpreise fielen ins Bodenlose. Die Bank ersucht um Staatshilfe. Nachfolgend ein kurzer Ausschnitt aus einer Unterhaltung zwischen Bowe und Fitzgerald. Es geht um die bevorstehenden Verhandlungen mit dem Staat.

F: Die 7 Milliarden Euro – ist das ein befristeter Kredit?
B: Ein 7-Milliarden-Euro-Überbrückungskredit.
F: Ja.
B: Also,  es ist ein 7-Milliarden-Kredit zur Überbrückung, bis wir die Summe zurückzahlen können – was nie stattfinden wird.
Beide lachen herzlich.

Es wurde nicht nur herzhaft gelacht, sondern auch eine Strategie ausgedacht um dem irischen Staat die (ersten) sieben Milliarden aus dem Kreuz zu leiern.

F: Sag mal, wie kamst du auf 7?
B: Ganz einfach. Wie Drummer sagen würde: Ich habe sie mir aus dem Arsch gezogen.
(Gelächter) Worum es uns ja eigentlich ging, war: Was ist die Summe, die uns über die nächsten sechs Monate bringt?
F: Ja.
B: Zusammengefasst sagten wir der Aufsicht: Schaut, unser Problem ist kurzfristig. Das Problem ist nicht, dass wir bankrott sind. Der Feind heisst Zeit.
F: Genau.
B: Mit anderen Worten: Wir können die Liquidität auf unsere Hypothekendarlehen wieder aufbauen, aber nicht jetzt. Momentan haben wir ein Loch in der Bilanz.

Spiel auf Zeit

Aus dem weiteren Gespräch heraus wird klar, dass Bowe und Fitzgerald nur auf Zeit spielen und mit den 7 Miliarden die Bilanz stabilisieren wollen. Es war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass die Bank mehr, viel mehr Geld benötigen würde. Die Angelegenheit sollte hingezogen werden und der irische Staat mit einem dicken Brocken an Krediten einsteigen. Dieser sollte gerade so gross sein, dass es für den Staat bezahlbar und für die Politik verantwortbar ist. Aber auch gross genug, damit der Staat keinen Rückzieher mehr machen kann und weitere Kredite folgen müssen. Die Steuerzahler und somit die Wähler würden ansonsten den Politikern ja die Hölle hiess machen.

F: Verstaatlichung. Das wäre fantastisch! Wir würden alle unsere Jobs behalten.

Die Sorgen der Banker um ihre Zukunft

Bowe und Fitzgerald machten sich in Anbetracht der Umstände natürlich Sorgen um ihre Zukunft. Für beide war klar, dass sie beide über kurz oder lang zum Staatsdiener würden. Für einen Kauf einer anderen Bank war die Anglo ja nicht mehr gerade attraktiv. Ausserdem waren die Banken weltweit in der Krise und keine Bank der Welt hatte die Möglichkeiten eine andere Bank von der Grösse der Anglo Irish aufzukaufen – schon gar nicht eine mit so vielen faulen Krediten… Eine Verstaatlichung war also das Nahliegendste

F: Verstaatlichung. Das wäre fantastisch! Wir würden alle unsere Jobs behalten.
B: Ja, das wäre fantastisch, nicht?
F: Ja … wir würden Staatsdiener!

D: Oh, haben wir gerade eine Milliarde verloren?
B: Ein toller Tag, aber wir haben eine Milliarde weniger.

Das sich die beiden Sorgen um ihre Jobs machten war also nicht von ungefähr. Schon bald verlor die Bank – Tag für Tag – eine Milliarde Euro! Kein Grund aber um Traurig zu sein. Die Telefonmitschnitte aus einem Gespräch von Bowe und CEO Drummer zeigen, dass sich die beiden sogar lustig über die Situation gemacht haben.

D: Wie gehts?
B: Grossartig. Und selber?
D: Ein weiterer Tag kommt, eine weitere Milliarde geht.
B: Ja. Wie einer unserer Freunde sagen würde: ‹Ein toller Tag. Elektroschock im Handelsraum! Jeder Schwanz stand hoch! Fantastisch!›(Gelächter)
D: Oh, haben wir gerade eine Milliarde verloren?
B: Ein toller Tag, aber wir haben eine Milliarde weniger. Ich denke, es war ein weiterer schrecklicher Tag, aber perverserweise fühlte er sich weit besser an, als er war.

D: Ah, du missbrauchst also die Bankengarantie? Und Deutschland muss zu viel zahlen? Das hört man jetzt überall. Scheisslächerlich.
B: (singt) Deutschland, Deutschland uuuuhber allllles! (Gelächter.)

Unglaublich mit welcher Arroganz und Selbstherrlichkeit im Anzeichen der grossen Kriste in der Chefetage der Bank geredet wurde!

Der irische Staat übernimmt die Schulden der Bank – unlimitiert

Es war schliesslich der 30. September 2008 als die irische Regierung beschloss sämtliche Bankschulden unlimitiert zu übernehmen. Statt der ursprünglich geforderten 7 Milliarden hatte es die Führung der Bank also erreicht, dass ein Blankoscheck ausgestellt wurde. Der damalige Premier Brian Cowen ruinierte mit diesem Entscheid die irischen Staatsfinanzen. Erfreut waren Bowe und Drumm wie ein weiterer Mitschnitt vom 3. Oktober zeigt.

B: Was er meint, ist, dass die englischen Banken uns unter Kontrolle bringen, indem sie Geld fliessen lassen und dann sagen: ‹Wer zahlt, befiehlt.›
D: Scheisse, na und? Wir nehmen die Kohle.

D: John.
B: Heja.
D: Wie läufts?
B: Grossartig. Wir machen hübsche Fortschritte.
D: Ah, du missbrauchst also die Bankengarantie? Und Deutschland muss zu viel zahlen? Das hört man jetzt überall. Scheisslächerlich.
B: (singt) Deutschland, Deutschland uuuuhber allllles! (Gelächter.)
D: Ich hatte heut morgen XX (ein hoher Beamter da – man hätte das Gespräch aufnehmen sollen, so verflucht blöde war es.
B: Mich hat er auch angerufen.
D (macht XX nach): ‹Es ist so schrecklich, was gerade passiert. Die Scheissdeutschen haben uns jetzt in der Hand, David.› Und dann sagte er: ‹Hast du irgendwie verdächtige Gelder gesehen, die bei uns angelegt wurden?› Und ich sagte: ‹Ich weiss nicht, wovon du redest.› Und er: ‹Du weiss schon, Zweijahresgeld.› Und ich: ‹Hä?› Und er: ‹Weisst du, wir müssen vorsichtig sein, wer uns jetzt aufkauft.› Und ich: ‹Klingt nach: Fürchte die Fremden, die Geschenke bringen.› Und er: ‹Genau! Genau!› Und ich: ‹Man erobert uns, indem man uns Geld gibt? Dann habe ich nichts dagegen, erobert zu werden!›
B: Was er meint, ist, dass die englischen Banken uns unter Kontrolle bringen, indem sie Geld fliessen lassen und dann sagen: ‹Wer zahlt, befiehlt.›
D: Scheisse, na und? Wir nehmen die Kohle.
B: Ja.
D: Streck die Hand aus! (lacht) Ich sprach mit dem Kerl dann über Northern Rock. Und sagte: ‹Schau, die Briten haben das Ganze in ihre verfickte Flagge gewickelt und die ganzen faulen Konten übernommen – und wo war unser verfluchter Finanzminister, als wir ihn brauchten?› Und er: ‹Ich weiss, ich weiss, ich spüre Druck von allen Seiten, David.›
B: (lacht)

Die Banker überschreiben ihre Vermögen den Ehefrauen und melden Privatkonkurs

Fitzpatrick und Drumm traten noch im Dezember deselben Jahres zurück und waren somit natürlich fein raus. Nicht ganz. Beide – und weitere andere Manager – hatten von der Anglo Irish Kredite in Millionenhöhe erhalten um Aktien der Bank zu kaufen. Als die Bank die Kredite später zurückforderten erklärten beide Privatkonkurs. Vorher hatten sie noch ihre Vermögen auf ihre Ehefrauen überschrieben. Verfahren in dieser Sache laufen bis heute….

Geld aus Deutschland

Der Aufschrei ist nicht nur in Irland gross. Auch in Deutschland. Bekanntlich konnte der irische Staat die Krise nicht alleine tragen und alle Kredite an die Institutionen selbst vergeben. Im 2010 ging Irland unter den sogenannten Euro Rettungsschirm und erhielt insgesamt 67 Milliarden. Viel Geld natürlich auch aus Deutschland.

In dieser Sache darf man aber eins nicht vergessen. Irland wird diese Kredite auf Cent und Heller zurückzahlen müssen. Die Anglo Irish ging auch deshalb Bankrott weil sie Kredite nicht mit eigenem Geld, sondern mit Geld von Banken aus Deutschland, England, der Schweiz und anderen Eurostaaten hatten. Man vermutet, dass ohne die Rettung der Anglo Irish grosse Deutsche Banken in sehr arge Schwierigkeiten geraten wären. Die Kredite aus Deutschland sind also auch um die Deutschen Banken zu retten! Bezahlen werden schlussendlich nicht die Deutschen, sondern die irischen Bürger!

Dies muss einmal gesagt werden.

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